Gesinnung 2

Deutungen anderen überlassen?

Jeder muss selbst entscheiden, mit welchem Selbstverständnis er schreibt. Reicht es ihm aus, die deutschen Klassiker aufs schöngeistige Podest zu heben und eine Blüte in Versform zu beschreiben (obwohl neuerdings die Eignung Goethescher Kreuzreime für Rap-Vorträge erfolgreich erprobt wird)? Im menschlich allzumenschlichen Einheitseintopf übergar zu werden? Die Wahrscheinlichkeit, etwas zu veröffentlichen, wächst allerdings dadurch. Oder versteht man sich als politischer (nicht parteipolitischer!) Schriftsteller, dem das vorrangige Mitschwimmen im lauwarmen Hauptstrom - also Opportunismus/Trittbrettfahrertum - nicht ausreicht und der sein Ding in einem Gemeinwesen (polis) durchziehen will, also kooperiert? Auch, wenn man nicht mehr viel Lebenszeit vor sich hat, darf man in einer Demokratie seine Meinung frei äußern, auch wenn einige dann nicht zu Talk-Shows eingeladen werden und in keinem Fall zu Wetten-Dass-Nicht, oder wie diese Unterhaltungswerbesendung für Prominente unter sich als Labsal für das arbeitende, schlechter bezahlte Volk heißt.

Also keine Angst mehr vor Ignoranten! Keiner braucht im Ergebnis das befürchten, was einem in einer Diktatur widerfahren würde (dazu: © Heinz Hillermeier (Hrsg.), Im Namen des Deutschen Volkes. Todesurteile des Volksgerichtshofs, Darmstadt/Neuwied 1982). Also extremistische Tendenzen rechts wie links ernst nehmen (in der Mitte, wo sich alle zusammengnubbeln, gibt es ja angeblich keine)! Demokratie ist doch etwas, wofür man sich als Schriftsteller gemeinsam (und immer ohne Gewalt!) solidarisieren kann und muss: Auch aus Dankbarkeit, dass Schriftsteller in einer Demokratie schreiben dürfen. Veröffentlichen ist dann noch etwas Anderes, weil da auch gewisse affirmative Wohlgefälligkeitsfilter wirken.

Jeder darf schreiben über was auch immer: Über Muße und Kreativität schluckende Sandkastenspielchen oder die Akne-inversa von Marx oder das Liebesleben der      Glühwürmchen in seiner dramatischen Wirkung auf menschliche Beziehungen oder darüber, ob Goethe im Alter noch konnte und mit wem, oder ob er (und wer auch immer gern) ein Realitätsverleugner war (siehe z.B. www.literaturen.de) oder wann das Meer endlich kommt. Vor dem Titel dieser Literaturzeitschrift (Literatur im Plural!) müssen alle Schreibenden den roten Teppich ausbreiten und einen Kniefall zelebrieren!!! Die Hoffnung stirbt zuletzt!

Ich warte schon lange auf ein Buch, das die Frage stellt, warum die soziale Abweichung bestimmter Literaten (von abstehenden Ohren angefangen) sie zu wirklichen ‘Genies’ machen soll, obwohl sie womöglich nur ein wenig geblufft haben oder nicht klar kamen mit ihrem Leben, was sich in ihrem fast hörbaren autistischen Ringen nach Worten und schwer verständlicher Sprache dokumentiert. Neurotizismus in Form von Persönlichkeit und/oder Leben geht einfach nicht glatt! Es wäre schön, wenn das Buch dann auch die Frage beantworten würde, warum Literaturwissenschaftler und -kritiker für diese ‘Genies’ Personenkult betreiben müssen. Hätten sie selbst auch gern so werden wollen, also mehr als intellektuelle Eierköpfe? Hoffnung auf Einsicht machen mir Literaturbesprechungs-Rituale in den Medien, in denen die eine Gruppe einen Autor oder eine Autorin literarisch für unfähig erklärt und die andere den gleichen Autor zum Genie stempelt.

Literaten, die anders sind, v.a. wie auch immer moralisch integer, haben es schwer. Man denke dabei über den Vorschlag © Bölls nach, ein Forschungsinstitut für Gesinnungsphysiognomik ins Leben zu rufen (Berichte zur Gesinnungslage der Nation, Köln 1975, S. 63). Welcher Innenminister wollte das schon (haha)! Mit der großen Politik hat diese demokratische Gesinnung von Autoren wenig zu tun. Sie können aber unangenehme Fragen stellen, Kritik üben und sich am Fall abarbeiten, wobei sie sich dem Verdacht der Botschaften-Literatur aussetzen (das erfreut Verlage nicht immer):

  • Es geht darum zu erkennen und danach zu handeln (!!!), dass totalitäre Systeme, gleich welcher Farbe, Kinder des gleichen Verbrechens sind. Totalitäre Regime links wie rechts hebeln auf kollektivem Wege die individuelle Freiheit aus und herrschen so. In einer wirklichen Demokratie ist die Freiheit aller die Freiheit des einzelnen und vice versa oder sollte es zumindest sein. Demokratie ist der Zweck, der im übrigen nicht alle Mittel heiligt. Dazu lassen sich die Ethik-Handbücher gebührend aus. Realität: Auch Enron hatte ein schönes Ethik-Programm.
  • Demokratische Systemkritiker würde ich gar nicht als links bezeichnen, sondern als optimistisch-radikaldemokratisch. Man könnte diese auch konsequent nennen. Die Linksdeuter aus der so genannten politischen Mitte werfen gern diejenigen, die eine ihnen nicht passende Meinung äußern (es ist aber nicht mehr so schlimm wie einst: “Wer denkt, ist Kommunist”), in den Eintopf links.’ Auch Jesus könnte heute wohl nicht mehr Mitglied der Partei mit dem hohen C davor werden, eher würde er als Sozialist oder Linker gebrandmarkt, weil er nicht auf der Seite der Materialisten ist. Leider liegt man im Eintopf als kritischer Demokrat dann zusammen mit den Anhängern gescheiterter Politikentwürfe, die auf den toten intellektuellen Philosophen wie Marx und Engels weiter schlafen und sie hervorkramen mit dem Hinweis, das Grundgesetz lege die Wirtschaftsform nicht fest, sondern erlaube eine (kollektive?) Transformation. Stimmt. Aber wohin? Und, wenn, dann nur mit der demokratisch verbürgten Freiheit des Einzelnen. Oder will einer hier gern wie ein dummes Schaf hinter einer wie auch immer gefärbten Gruppenfahne herlaufen! Damit muss man die genannten Theoretiker der Abschaffung der individuellen Freiheit (mitsamt Persönlichkeit) und ihre Nachäffer allerdings vergessen und sie fragen: Problem mit der Demokratie?
  • DieLinke ist noch nicht einmal in einem wie immer gearteten positiven Sinne links. Sie macht sich nämlich völlig unglaubwürdig, weil sie sich nicht von ihrem kommunistischen = undemokratischen Ast trennt und die Rote Hilfe kritiklos bis verblendet unterstützt. Und immer noch laufen ehemalige Funktionäre und IM’s etc. unbeschadet mit erhobenem Haupt herum oder haben eine neue Karriereleiter erklommen. Ihre Akten? Verbrannt, versteckt, verschwunden! Und ihr Geld? Vielleicht in Immobilien in Cuba? Dass die Rote Hilfe die RAF dem linken politischen Spektrum zuordnet und sie damit heilig spricht, ist ein gefährlicher Witz. Bei der RAF handelte es sich um eine kriminelle Mörderbande (zudem z.T. ausgebildet von Terroristen im nahen Osten; einige ihrer flüchtigen Mitglieder waren in der DDR abgetaucht; schon “Konkret” wurde wohl von der finanziert, da wirkte auch mal die Meinhof). Natürlich gilt für ihre Mitglieder auch die demokratische Strafgesetzgebung, die auch für andere Kriminelle gilt. Das Wort ‘politisch’ beschönigt dies aber! Fordert man allerdings für Terroristen gleich welchen Vorzeichens die Anwendung unserer demokratischen Gesetze (so auch in Guntanamo), darf dies nicht so missverstanden werden, dass man deren vermeintlich politischen Ziele teilen würde. Terroristen verfolgen keinerlei  politischen, in irgendeiner Form akzeptablen oder legitimierbaren Ziele. Und so müssen sie auch rechtlich eingeordnet werden. Nichts Anderes hat im übrigen wohl auch Böll gemeint und danach gehandelt. Dafür haben dann v.a. die  Konservativen und ihre Medien diesen integren Menschen mit einer Hetzkampagne überzogen. Dazu nur folgendes: Wer hat A.H. 1933 mit gewählt? Wer hat v.a. dafür Sorge getragen, dass einige Alt-Nazis wieder in den Staatsdienst kamen? Wer hat v.a. die Auseinandersetzung mit der Nazi-Diktatur blockiert? Erst in den 68er setzte diese ein: Also ca. 23 Jahre später. Die Opfer danken.
  • Mir scheint es so, als ob einige der so genannten linken Intellektuellen (auch manche Profs) kein Stück hinzugelernt haben. So machen sie es denjenigen, die links fälschlicher Weise mit “DieLinke” gleichsetzen, leicht und denjenigen, die mit ihrer demokratisch legitimen Kritik  Demokratie mit Leben erfüllen wollen, schwer.  
  • Schriftsteller in der Demokratie haben daher gleichwohl mit anderen darauf   einzuwirken, dass die privilegierte Machtelite (die Störche) Demokratie weniger als Mittel für sich nutzt, sondern sie mehr der Mehrheit nützt: also auch den vielen Fröschen, einem nicht unwesentlichen Teil des Volkes. Die Störche haben eben nicht gleicher als andere zu sein (ein sozialpsychologisches Paradoxon), auch wenn sich manche von ihnen dafür halten. Sozialer Machtausgleich und soziale Gestaltung sind also gefragt. Ob das die Sozialpolitiker auch meinen (siehe das Kostensenkungsprogramm ‘Agenda 2010’)?
  • Wo sind die politischen Rahmenbedingungen dafür, d.h. auch für die vielen    Frösche?! Bitte nicht vergessen: Die dafür verantwortlichen Politiker gehören selbst zu dieser privilegierten Machtelite!!! Beispiel: Der CDU-Parteitag im Dezember 2008 stellte einen gewagten Zusammenhang zwischen Schöpfung und Umwelt her. Wie viel diese wert sind, kann man daran erkennen, dass erst 2015 Neuwagen eine CO2-Schadstoffgrenze von 120 mg erreicht haben müssen. Diese hätte schon heute fällig sein können, wenn die Autobauer nicht geschlafen und blockiert hätten. Zeit genug zum Umsteuern hatten sie: Mit dem Club of Rome vor Jahrzehnten begann es! Nach Expertenmeinung könnte Ende des Jahrhunderts die Arktis im Winter eisfrei sein, so dass der Meeresspiegel um 5-6 Meter steigen würde und eine Großteil der Großstädte an den Küsten gefährdet wäre bzw. verschwinden würde: z.B. Bremen und Hamburg. Immerhin müsste dann Bremen seine Schulden nicht mehr zurückzahlen! Weiß die CDU, das die Arktis zur Schöpfung gehört? Ja, an den Taten kann man sie erkennen: Die große Heuchelkoalition (inzwischen ersetzt durch eine andere), die die teuren Spritfresser ein halbes Jahr Kfz-steuerfrei lassen wollte. Baut endlich neue Straßen für sie ohne Tempolimit, wir haben ja zu wenig! Und dann kam die Abwrackprämie, getarnt als Umweltprämie. Hah,hah...  Keiner kann heute sagen, dass es ihn nichts anginge, weil er 2099 nicht mehr lebt! Und Alternativen sind jetzt schon da (siehe für Wüstenregionen geeignetes Solarkraftwerk in Spanien oder Energie aus heißem Vulkanwasser in Kenia) oder bald  aus der Sahara. Voraussetzung: Verbot, weiter nach Öl zu suchen oder aus Sand zu quetschen und ab einem Tag X danach zu bohren. In Kalifornien läuft es jetzt wieder andersherum.