Nonsens 6

Auswahl

A: aus © Michael Hesseler, Lührische Gesellschaft zur Rettung bedrohten Schrifttums (LÜGE), ab 1975

 

(1) Verbraucht

Ach ja, japste der Buntspecht beim Besteigen des Maklerbüros: ich bin ein Chamäleon.

Wie einfach war es, als ich noch als Heilbutt vor Bonn schwamm.

Einfarbig siegt die Allmacht und die Unendlichkeit wirft Schatten.

Und Dunkelheit in die ohnmächtige Nebellandschaft klarer Gehirne...

Welches Blutkörperchen ist nicht schon durch sie gerauscht und beschwipst von dannen geirrt?

Offen gestanden ist es faszinierender, die Unregelmäßigkeit unausweichlicher Regelmäßigkeiten zu beobachten als einen simplen Orkan!

Ist das der Orkan, der uns durchströmt! Uns zu Entscheidungen zwingt, die wir nicht wollen, wozu wir uns aber bekennen?

Rauch, wo der Schall nicht fern ist.

Die Tischplatte verschwimmt im spontanen Wahnsinn des Schreibens zum Sinn, den man konstruieren muss, um zu leben.

Denn wie anders kann man sich selbstkugelig im Strom zurecht stutzen - scheinbar in gleicher Richtung zu treiben?

Schwer zu sagen, ob  man da selbst ist oder der Strom vielleicht anderswo, quer oder rückwärts aufwärts unter neben zwischen uns fließt?

Gut! So durchlöchert und zerfahren ich bin, strömen traurige Rinnsale durch verbrauchtes altes Holz.

(2) Hahn

Wann erlebst Du schon ‘mal, wie der Ausguss geht!

Wann erlebst Du, wie der Hahn tropft!

Ist sein Kikeriki schon mal auf und ab gedreht worden?

Kikeriki, Morgenstund hat Hahn im Mund.-

Jeder ist seines Hahnes Schmied.

Klar! Jeder kennt dieses verdammte Würgen um den Hals, das bleibt.

Bleiben ihm nur die kleinen Defekte?

Aber je mehr der Inhalt im Kopf gewürgt wird - desto verdrehter der Kopf !?

Und das ist das selbst geschaffene Glück des Schmieds, der den Blasebalg betätigt, sich selbst zum Glühen bringt, um mit sich selbst zuschlagend die künstliche Form zu schaffen.

Prometheus, der erste Schmied, der die Verdrehung einleitete!

 

B: aus © Michael Hesseler, Gedankensplitter aus Absurdistan, ab 1975

 

(1) Blödsinnige Hochphasen der menschlichen Entwicklung oder Menschliche Entwicklung im Höhenflug

 

Phase 1: Zögerlicher Anfang

Zivilisation findet nicht allgemein statt,

sondern nur mit nackter Waffengewalt.

Das Krummholz, ungeschickt geworfen,

kostet sehr schnell den eigenen Kopf und Kragen.

Fällt der, der anderen eine Grube gräbt,

nur zufällig hinein?

Wer das glaubt, wird selig wie die Dummen.

Die 350 oben wissen schon lange,

wer Gruben heimlich gräbt für die unten,

braucht doch nur eine einfache Schaufel.

So nah ist der Ober-Teufel,

dass die Dummen unten hineinfallen,

die exzessiv Gierigen oben fast nie.

Die Staude bricht nicht, wenn zu viele drauf sitzen,

sondern zu viele für zu wenige gemeinsam schwitzen.

Rahmenbedingung: Die Einführung des Neander-T(h)alers

gestern als erstes Geldstück des Vor-Homo-Sapiens.

Anstatt des aufrechten Gangs.

In der schwitzenden Masse hat jeder des anderen Genick

für weitere Pläne nicht nur im grausam-hartherzigen Blick.

Gott sei Dank gibt es nahe Aussichten für alle:

nach natürlichen oder unnatürlichen Katastrophen

besteht immer wieder die Chance

zur Naturalwirtschaft zurückzukehren.

Phase 2: Weiterentwicklung

„Ich glaube, es hackt“,

sagt die Hacke zur Schaufel,

die auf einen Stein gestoßen ist.

Da verweigert die Schaufel den Befehl‚

die Grube schön weiter zu graben.

Da fällt die Hacke, wie sie ist,

grob und geistig unbedarft,

ohne Vorwarnung und Legitimation

auf sie, über sie her.

Hauptsache, die Masse kniet fraglos nieder,

betet und bedankt sich ängstlich immer wieder.

Phase 3: Noch mehr Weiterentwicklung

Die Werkzeuge reden vom Frieden in der zivilisierten Welt,

manchmal nur, und dann immer öfter, ist das gutes Geld.

Immer, wenn ein schlimmer böser Menschen ohne Vorwarnung angreift,

aus dem Nebel und in der Nacht, ohne Gesicht, innen voll Hass,

meinen sie, teure Messer zu schleifen, sei ein Muss.

Wer hat eigentlich die bösen wie die guten Geister gerufen?

Wer bestimmt einmal mehr und auf hohem Niveau das Maß?

Verteidigung der Phase 2 soll jetzt Höherentwicklung sein.

Und die Masse schluckt es wie panierte Gräten und Aas.

Aber die Freiheit hat doch jeder hier,

und sei es an der Gurgel des anderen nur.

Phase 4: Beispiellose Weiterentwicklung

Wieder zu Staub im Kosmos,

ehe der letzte Urknall schon verhallt is’.

Vielleicht nach dem megalomanen Experiment im CERN.

Nicht plötzliches Ende einer Zivilisation,

denn die hätte es geben müssen.

Es gibt daher keine Bruchpiloten

Dafür ein gemeinsames Körner-Grab,

unterschiedslose Flöckchen anstatt ganzer Menschen es gab.

 

(2) Nekrolog einer Hoffnung, die frei gewesen von Kinderträumen

Ende der Durchsage.

Das Wetter bleibt so, wie es ist.

Hin und wieder lösen sich Hochs und Tiefs ab.

Die Beziehung zu wem auch immer bleibt die gleiche.

Nur die Namen wechseln.

Die positive Überraschung bleibt aus. C’est la vie!

Illusion eigener privat-intimer Freiheit.

‘Abklatz’ der Realität, was nichts mit Wirklichkeit zu tun hat.

Stück Entfremdung, Wahn der Unverbindlichkeit.

Verbindlich nur die Quälerei der vielen Kleinen

für die wenigen Großen, die auf jenen sich ausruhen.

Jene brauchen, um das immer wieder leisten zu können,

Regeneration in privaten Beziehungen,

die mit freudig glänzenden Augen die neuen Untergebenen

produzieren und die Illusion, dass es um die Lebenschancen

der Kleinen geht oder um Höheres.

Und ihre Ernährung bringt Arbeit und Geld,

neue Probleme, mit deren Lösung dann vor allem die Kleinen

den ganzen Tag beschäftigt sind.

Eine perfekte Negation menschlichen Lebens.

Alles ist Schein, selbst die Liebe?

Gibt es da noch was?

Stier nicht hin zu ihnen, sie sind

nicht dein Vorbild! Suche dir Schleichwege

zu den Nischen und mache nicht so unreife Gedichte,

die nur zeigen, dass du noch nicht weißt,

wo es im Leben drauf ankommt.

Etwas differenzierter. So reif und vernünftig wie die,

die sogar Kriege anzetteln können, wenn es ihnen nützt.

Was wahr, richtig ist und was recht, bestimmt sich über Macht,

auf deren Altar die Moral seit Adam und Eva geopfert

wird. Auch die

Sprache, von dieser Krankheit befallen, spricht eine beredte.

Auf Kriegsdenkmälern und Kriegsgedenksteinen stehen

oben nie die Namen der verantwortlichen Kriminellen,

der Könige, Kaiser, Fürsten, Grafen, Herzöge, Regierenden, Diktatoren,

die Jung und Alt, Soldaten und Zivilisten millionenhaft auf dem Feld

der vaterländischen Ehre haben verbluten und verkrüppeln lassen:

Körperlich, geistig, seelisch, immer für Geld.

Nicht wir, das Volk, haben, hat Krieg geführt für uns, sich.

Nur sie haben ihn gewollt für ihre Macht.

Das am meisten verhunzte Wort nationalen Identätswahns ist Wir.

Ihm gebührt endlich der alternative Friedensnobelpreis für Volksvera.......

Aber, wohin damit? Zur Sublimierung

in den Sport, die Olympiade, die Weltmeisterschaft,

und sei’s der Herzen. Modernes panes et circenses!

Und was ist mit dem Sich-Anpassen, Sich-Abfinden, mit dem Nach-Oben-Ducken und dem Nach-Unten-Treten,

wenn da noch einer is’?

Und wie beruhigt man sein Gewissen? Einmal Sonntags in den Gottesdienst

und heile Welt spielen? Beim Frühschoppen in der Stammkneipe,

um sich als Wähler zu bilden?

Für den einen

etwas Esoterik, für den anderen

Fitness? Eine hybride Mischung für wenige?

Oder im armen Ausland, das einem umzäunte Homophilen-Camps übrig lassen, herumzukriechen und

herumzuballern, um fehlende Karriereaussichten zu kompensieren,

Langeweile auszuleben und endlich auf den Spuren

von Forrest Gamp seinen PQ (PISA-Quotienten) zu verbessern?

Oder sich die Methode angewandter Paranoia von Dali aneignen?

 

(3) Ein Wintermärchen: Die Kohl-Ballade

Er ist nicht schlecht,

er ist nicht gut.

Er ist nicht dumm und nicht gescheute.

Ging er gestern vorwärts,

geht er rückwärts heute.-

Kohl ist nur da zum Überwintern,

bei Wärme wird er faul.

Manchmal nur fressen wir gefrorene Rüben

und klappern dabei mit den Zähnen im Maul.-

Wegen Wanztreiben durch der Germanen Kohl

verlorene Schlacht in einem Teutoburger Tal.

Verteilung von heißer Kohlsuppe

zur Wärmung der siegreichen geschundenen Armee.

Linderung von Kohl-Dampf,

Kohl als Fußlappen und Drahtverhau im Kampf.

Kapusta oder Kappes, Kraut

nach bekanntem Kr(äu)euther Rezept

ganz hinten auf dem Herd bruzzelst:

Ohne Ansehung des Charakters.-

Weiss-Kohl, Grünkohl,

Braunkohl, Rotkohl.

Sich verkohlt vorkommen,

scharzkohlrabenscharz ärgern.

Das hat nichts zu tun mit Bayern.

Wo steht das Zelt denn?

 

(4) Fragen zur Politik fern ihrer Mitte

Zur Finanz- und Wirtschaftspolitik: Wie viel Kilo Nichts braucht ein Mensch, um die Verluste von Spekulanten zu Lasten des Steuerzahlers zu sozialisieren?

Zur Integrationspolitik: Für wie viele Euros lassen Familien-Machos endlich ihre Frauen frei leben oder wann darf ich endlich meinen Hut im Unterricht aufbehalten?

Zur Landwirtschaftspolitik: Geht dort, wo kein WC ist, alles in den Eimer, oder kann dies Genmanipuliertes für Astronauten verhindern?

Zur Verteidigungspolitik: Stellen sich die Rekruten an wie die ersten Menschen, wenn sie sich bei der Musterung ausziehen müssen, oder sind sie einfach zu fett für die richtige Motivation zum Töten in Bereitschaft und anschließender Therapie   posttraumatischer Störungen (die sie im übrigen nicht bekämen, wenn sie hier blieben)?

Zur Innenpolitik: Bleiben Denkstirnen glatter, wenn man sie nicht zum Denken benutzt, oder ab wann stören denkende Bürger und fallen unter das BKA-Gesetz?

Zur Bildungspolitik: Hast Du ausstudiert, wenn Du nicht mehr besoffen wirst, oder willst Du lieber blöd bleiben, anstatt nur für die besser Verdienenden zu arbeiten?

Zur Umweltpolitik: Kann bei Niedergang von gefährlichem sauren Regen telefonisch die Verlängerung der Sperrstunde zum Schutz der Gäste beantragt werden (nach: Anfrage der Ortsvereine des Gaststättengewerbes Wanne-Eickel und Castrop-Rauxel), oder wie man kann man der Klimakatastrophe mit mehr Kohlekraftwerken entgehen?

Zur “familiären Sittenpolitik”: Müssen Kinder vor allem brav sein, essen und beten, oder ist zwar genügend Geld für Kinder vorhanden, aber nicht für sie vorgesehen, sondern für ein Banker-Resozialisierungsprogramm?

Zur Außenpolitik: Im Prinzip jein oder nja, sofern es das Nichts-Tun nicht gefährdet, oder Geld stinkt nicht?

Zur Justizpolitik: Kann man das GG umschreiben, ohne dass Bürger es merken, oder würde nicht alles einfacher, wenn wir weniger verbeamtete Juristen hätten?

Zur Entwicklungspolitik: Kann man um westliche Industrieländer eine bewachte Wohlstandsmauer gegen Leiharbeiter ziehen oder warum sollen wir weiter das Geld für die Oberschicht in den Entwicklungsländern verplempern?

Zur Gesundheitspolitik: Kann nicht eine Abteilung “Krankheit als Metapher” eingerichtet werden, gesponsert von der Alkoholindustrie, oder wer soll denn noch gesund werden?

Zur Arbeits- und Sozialpolitik: Können nicht noch mehr Probleme durch eine noch bessere Statistik beerdigt werden, oder Hauptsache Arbeit, egal welch’ Sch...arbeit?

Zur globalen Errettungspolitik: Wie schützt man die für den Katastrophenfall in      Spitzbergen eingelagerten Millionen Samen vor der Bevölkerung, damit ein paar Störche überleben, oder steht uns nicht nur auf den Malediven das Meereswasser eher bis zum Hals, als uns eingeredet wird?

Zur Wissenschafts- und Forschungspolitik: Was kommt von den Entwicklungen im Mi- litärbereich im Zivilbereich an, oder wann übernehmen Profs endlich Verantwortung und reden Hochdeutsch: “Kein Geld für neue Bomber, sondern Kindertagesplätze”?

Zur Religionspolitik: Wer steigt gern in seinen eigenen Keller herab, um seiner eigenen Hölle zu begegnen, oder wann verteilt die Regierung endlich den richtigen spirituellen Weichspüler gratis?

Zur Vertreibungspolitik: Wer schafft es, alle bösen Gedanken über die Osterweiterung in den alten großdeutschen Reichsgrenzen zu vertreiben, oder wer glaubt allen Ernstes, mit dem braunen Auge besser sehen zu können?

Zur Landespolitik: Wer schafft es, die zentripetalen und zentrifugalen Kräfte zu bündeln oder handelt es sich um eine ereignisgesteuerte Sympathiekundgebung von        Gruppierungen?

Zur Kommunalpolitik: Wie erreicht man die Bürger, indem man sie zum vermeintlichen Kunden stempelt, oder wie viel dürfen sie noch kosten?

Zur Verantwortungskompensationspolitik: Wie kommen die für Finanzkrise verantwort- lichen Abzocker ungestraft davon oder lass’ die Bürger mit durchschnittlich 6000 € bürgen, damit jene so weitermachen können wie vorher?

Zur Soziale-Gerechtigkeit-Abbaupolitik: Wie kann denn die Hypo Real Estate (Hauptsitz ist wohl Irland) - begleitet von schlafenden Gefälligkeitsjourmalisten - plötzlich über 10 % Gewinn und damit mehr Rendite für die variablen Gehaltsanteile der für die Krise verantwortlichen Manager machen oder wann erfolgt denn endlich ein kollektiver Aufschrei der bürgenden Bürger und Aufmarsch zu den bettelarmen Eigentümern (ja, wo ist es denn hin, das Geld?)?

Zur Automobilpolitik: Wie können die Autmobilhersteller weiter ihre Spritfresser für die Störche produzieren oder setzt die KfZ-Steuer ganz aus, damit sie weiterhin keine umweltschonenden Fahrzeuge herstellen müssen?